Homogene Gebäudehülle

Immer wieder wurde in der Baugeschichte versucht, eine homogene Gebäudehülle herzustellen, also Dach und Fassade aus demselben Material zu bauen. Dieser Ansatz scheint auf der Hand zu liegen, doch er ist nicht ganz trivial und es gilt, viele Dinge zu beachten.

Die Frage, weshalb Wandbilder und Dacheindeckung in der Regel aus unterschiedlichen Materialien bestehen, ist natürlich berechtigt. Auf anderen, vergleichbaren Gebieten, etwa im Fahrzeugbau, ist eine solch offensichtliche Unterscheidung kaum anzutreffen.

Die Antwort auf die Frage ist in der Spezialisierung der einzelnen Bauteile zu finden und in den über die Jahrhunderte tradierten Bauweisen. Die Wände eines Gebäudes mussten schon immer möglichst massiv sein. Sie dienten dem Wetterschutz, dem sommerlichen wie winterlichen Wärmeschutz sowie dem Schutz vor ungebetenen Gästen. Außerdem mussten Wände stets in der Lage sein, Lasten aufnehmen zu können; zumindest eine Geschossdecke und den Dachstuhl inklusive Deckung.

Das Dach hingegen sollte vor allem leicht sein, weshalb sich die Holzbauweise bis heute behauptet. Die Eindeckung mittels Schindeln oder Dachsteinen hatte den Vorteil, dass sich die kleinteiligen Bauelemente leicht herstellen, transportieren und verarbeiten ließen. Die Dachneigungen ergaben sich aus der Notwendigkeit, anfallendes Niederschlagswasser abzuführen und die Konstruktion des Dachstuhles gefährdende Schneelasten abrutschen lassen zu können. Quaderförmige Räume zeigen mit Blick auf Grundrissoptimierung und Raumausnutzung deutliche Vorteile, allerdings konnten die auftretenden Probleme am Flachdach lange nicht dauerhaft beherrscht werden und so setzte sich zunächst die sicherere Bauweise durch.

Die Dämmung des Dachraumes, oder gar die Herstellung seiner Winddichtigkeit, sind verhältnismäßig moderne Errungenschaften. Vielmehr wurde bis vor nicht allzu vielen Jahren bei zahlreichen Dach- und Heuböden auf eine gute Durchlüftung Wert gelegt. Erst mit der allgemeinen Nutzung der Dachräume entstand das Bedürfnis, diese wohngerecht zu dämmen, zu dichten – und zu belichten.

Lösungen mit vorgehängter hinterlüfteter Fassade

Inzwischen ist die Bautechnik weit fortgeschritten und es stehen Planern und Handwerkern Materialien und Produkte zur Verfügung, welche neue Bauweisen zulassen. Und so ist es heute eben auch problemlos möglich, Dach und Fassade „aus einem Guss“ herzustellen, eingeschlossen aller Untersichten und Laibungen, sofern gewünscht.

Dies wird erreicht, indem man den Wand- und eben auch den Dachaufbau als VHF, also als vorgehängte hinterlüftete Fassade, ausbildet. Die Tragkonstruktion des Gebäudes wird in der gewünschten Bauweise erstellt und mit einer Dämmschicht versehen. Diese kann in unterschiedlichen Materialien und Dicken verbaut werden. Im Bereich der vertikalen Fassadenelemente wird in der Baupraxis oft Mineralwolle angewandt, allerdings gibt es auch Lösungen mit Holzfaserdämmstoffen oder anderen Naturmaterialien. Diese werden von den Handwerkern in die Zwischenräume der Unterkonstruktion passgenau eingebracht. Die Unterkonstruktion besteht üblicherweise aus Aluminium-Strangpressprofilen, kann aber genauso als Holzkonstruktion ausgeführt werden. Sie nimmt schließlich die Fassadenelemente auf, die das Gebäude dann homogen verkleiden. Auch im Dachbereich wird gedämmt, allerdings muss hier bauseitig ein ­zuverlässiger Wetterschutz vorgesehen werden. ­Während die hinterlüfteten Fassadenplatten im Wandaufbau auch trotz Fugen einen ausreichenden Wetterschutz gewährleisten, ist dies auf dem Dach natürlich nicht möglich. Deshalb ist eine zusätzliche Schale, etwa aus Bausperrholzplatten, mit einer abschließenden Dichtungsebene vorzusehen.

Die Wahl des Bekleidungsmaterials

Bei der Wahl des Bekleidungsmaterials sind verschiedene Aspekte zu beachten. Zunächst sollte das Material möglichst leicht sein, um den Aufwand für die Unterkonstruktion überschaubar zu halten. Dann sollten die Platten möglichst biegesteif sein, um auch großflächig eingesetzt werden zu können und stets ein scharfkantiges und flächiges Fassadenbild – ohne Knicke und Schüsselungen – abzugeben. Außerdem ist es sehr hilfreich wenn die verwendeten Paneele sauber gekantet werden können, etwa um Kassetten auszubilden oder um Laibungen und Versprünge präzise zu ummanteln. Und schließlich sollte die Oberfläche des Fassadenmaterials in der Lage sein, dauerhaft Wettereinflüssen sowie Verschmutzungen zu trotzen. Eine Aluminiumverbundplatte, wie Alucobond von 3A Composites, vereint diese Materialeigenschaften in sich. Sie ist stabil, planeben, lässt sich dank V-Nut-Hinterfräsungen definiert und genau kanten und setzt Umwelteinflüssen die Widerstandsfähigkeit ihrer hochwertigen Lacksysteme entgegen.

Mit Know-how, der richtigen Technik und den entsprechenden Baumaterialien lassen sich so auch Ideen umsetzen, die mit Traditionen brechen und noch vor wenigen Jahrzehnten unmöglich erscheinen mussten.

Autor

Kay Rosansky ist Baufachjournalist mit Redaktionsbüro in Verl und unterstützt Alucobond bei der Pressearbeit.

Das Bekleidungsmaterial sollte leicht sein, die Platten biegesteif und witterungsbeständig

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