Dichtheitsprüfung im Holzflachdach

Flachdach-Dichtheitsprüfung, Leckageortung und Monitoring bei Flachdächern in Holzbauweise

Dachbegrünungen, Photovoltaikanlagen und Wasserretentionssysteme sind wesentliche Bausteine nachhaltiger Dächer. Sie verbessern das Mikroklima und schützen die Abdichtung vor UV-Strahlung. Wichtig dabei ist jedoch der Feuchteschutz, vor allem bei Flachdächern in Holzbauweise.

Holzkonstruktion Flachdach Bitumenabdichtung Holz gilt als leistungsfähiger Baustoff, ist jedoch empfindlich gegenüber Feuchtigkeit. Dringt Wasser durch die Abdichtung in die Konstruktion ein, kann das schwerwiegende Folgen haben
Foto: Protectsys GmbH

Holz gilt als leistungsfähiger Baustoff, ist jedoch empfindlich gegenüber Feuchtigkeit. Dringt Wasser durch die Abdichtung in die Konstruktion ein, kann das schwerwiegende Folgen haben
Foto: Protectsys GmbH
Nur wenn die Dichtheit eines Dachaufbaus dauerhaft gesichert ist, kann ein Flachdach in Holzbauweise seine geplante Lebensdauer erreichen – ohne unangenehme Überraschungen bei den Instandhaltungskosten. Holz ist ein nachhaltiger, leistungsfähiger Baustoff, allerdings ist er besonders empfindlich gegenüber Feuchtigkeit. Dringt Wasser durch die Abdichtung in die Konstruktion ein, wird es im Holz und in der Wärmedämmung gespeichert.

Die Folgen können ein ­mikrobieller Befall, ein Verlust der Dämmwirkung oder eine Minderung der Tragfähigkeit sein. Wer im Holzbau langfristig und risikominimiert planen will, braucht deshalb ein Dichtheits- und Leckageortungs-Konzept, das aus drei Komponenten bestehen sollte: einer Flachdach-Dichtheitsprüfung, Leckageortung und einem Monitoring des Daches.

Warum Dichtheitsmanagement im Holzbau wichtig ist

Holz reagiert hygroskopisch, das heißt: wiederkehrende oder über längere Zeit anstehende Feuchteeinträge können unbemerkt zu gravierenden Schäden führen. Während massive Bauweisen Feuchte teilweise puffern, benötigen Holztragwerke besonderen Schutz vor Feuchtigkeit.

Elektroimpulsverfahren EFVM Pruefung Durch das Elektroimpulsverfahren (EFVM-Prüfung) lassen sich Leckagen im Dachaufbau punktgenau lokalisieren
Foto: Protectsys GmbH

Durch das Elektroimpulsverfahren (EFVM-Prüfung) lassen sich Leckagen im Dachaufbau punktgenau lokalisieren
Foto: Protectsys GmbH
Besonders anfällig sind Anschlüsse, Durchdringungen und Übergänge, denn dort entstehen Undichtigkeiten in der Praxis am häufigsten. Eine Dichtheitsprüfung zur Bauabnahme bietet aus mehreren Gründen Planungssicherheit. Zum einen werden Ausführungsfehler früh erkannt, solange der Dachaufbau noch zugänglich ist. Folgekosten und Gewährleistungsrisiken sinken, weil Schadensursachen klarer zuzuordnen sind. Außerdem wird die Bauqualität mess- und dokumentierbar – ein wichtiges Argument im Gespräch mit dem Bauherrn. Tragwerk und Dämmung bleiben dabei vorbeugend geschützt, weil Leckagen nicht „unbemerkt“ über Jahre arbeiten können.

Elektroimpulsverfahren im Holzbau: nur mit ­leitfähiger Schicht

Ein im Dach integriertes Dichtheitsprüfsystem mit leitfähiger Lage ermöglicht eine präzise Ortung von Undichtigkeiten und Leckagen. So sind Dachflächen effizient prüfbar und Nacharbeiten gezielt möglich
Abb.: Protectsys GmbH

Ein im Dach integriertes Dichtheitsprüfsystem mit leitfähiger Lage ermöglicht eine präzise Ortung von Undichtigkeiten und Leckagen. So sind Dachflächen effizient prüfbar und Nacharbeiten gezielt möglich
Abb.: Protectsys GmbH
Für die zerstörungsfreie und punktgenaue Flachdach-Leckortung hat sich das Elektroimpulsverfahren (Electric Field Vector Mapping, kurz: EFVM) bewährt. Dabei wird die Dachfläche kontrolliert bestromt. Über den Stromfluss lassen sich Leckstellen exakt lokalisieren, auch bei begrünten Dächern oder unter Kiesschichten. Die Herausforderung bei Flachdächern in Holzbauweise besteht darin, dass Holz im trockenen Zustand elektrisch praktisch nicht leitfähig ist.

Ohne elektrisch leitfähige Schicht unterhalb der Abdichtung ist kein geschlossener Stromkreis möglich – und damit auch keine EFVM-Messung. Ein Holzflachdach bleibt dann im Betrieb faktisch „blind“ und kann nur mit großem Aufwand geprüft werden. Die Lösung ist ein integriertes Dichtheitsprüfsystem mit leitfähiger Lage für eine eindeutige Messung. Bereits in der Planung wird dabei eine elektrisch leitfähige Schicht vorgesehen, die dauerhaft im Dachaufbau verbleibt. So sind Dachflächen auch zu späteren Zeitpunkten prüfbar und Schwachstellen können punktgenau lokalisiert werden, ohne Begrünung oder PV-Anlagen großflächig zurückbauen zu müssen. Gerade bei Retentions-, Grün- und PV-Dächern ist das ein entscheidender Vorteil: Nacharbeiten werden gezielt möglich und bleiben wirtschaftlich.

Planung, Integration und Monitoring

Damit das Elektroimpulsverfahren auf Flachdächern in Holzbauweise funktioniert, wird über dem nicht leitfähigen Untergrund eine leitfähige Schicht eingebracht, in diesem Fall ein Gittergewebe
Foto: Protectsys GmbH

Damit das Elektroimpulsverfahren auf Flachdächern in Holzbauweise funktioniert, wird über dem nicht leitfähigen Untergrund eine leitfähige Schicht eingebracht, in diesem Fall ein Gittergewebe
Foto: Protectsys GmbH
Ein durchdachtes Dichtheitskonzept beginnt immer in der frühen Planungsphase mit der Frage, wie der Prüfaufbau konstruktiv integriert werden kann, ohne andere Funktionen zu stören. Typische Risikodetails im konkreten Projekt müssen evaluiert und die Frage geklärt werden, ob die Dachfläche nur einmal zur Abnahme oder regelmäßig geprüft werden muss. Anschließend kann erörtert werden, ob ein ergänzendes Flachdach-Monitoring mit Sensorik sinnvoll ist, zum Beispiel bei besonders schadensanfälligen Bereichen.

Mit geprüften Abdichtungen und optionaler Sensorik kann so ein zukunftssicheres System entstehen, das als wartungsfähig und schadenspräventiv gilt. Die Sensoren im Dachaufbau helfen dabei, die Zeit zwischen der Entstehung und Entdeckung der Leckage deutlich zu verkürzen – genau das entscheidet in der Praxis häufig darüber, ob eine Reparatur genügt oder ein Rückbau ganzer Dachbereiche nötig wird.

Das Ergebnis für Planerinnen und Planer, Zimmerer und Bauherren ist dabei eine nachweisbare Bauqualität, Risikominimierung und ein dauerhafter Gebäudeschutz. Wer seine Projekte dokumentiert übergibt und im Betrieb prüf- bzw. überwachbar hält, gewinnt Vertrauen und senkt zugleich die eigenen Haftungsrisiken.

Fazit

Ein dichtes Flachdach in Holzbauweise ist kein Zufall, sondern das Ergebnis aus exakter Planung, fachgerechter Ausführung, systematischer ­Dichtheitsprüfung und präziser Leckageortung sowie lückenloser Dokumentation. Ein optionales Monitoring kann die Sicherheit des Dachaufbaus weiter erhöhen. Weitere Informationen finden Sie unter www.ild-group.com.

Autor

Klaus Burger ist geschäftsführender Gesellschafter der Protectsys GmbH.

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